Manchmal hilft Musik, Gefühle auszudrücken, die wir nur schwer in Worte fassen können.
Im Juli dreht sich alles um Lieder, die uns traurig stimmen und warum sie uns trotzdem gut tun.
Hallo sol,
im Namen der Moderator*innen möchte ich dich herzlich im Forum Willkommen heißen! Wie schön, dass du den Weg direkt in unseren Themenmonat gefunden hast.
Das was du schreibst, kann ich total nachvollziehen - wir haben ja sogar den gleichen Satz genutzt ;)
Mit deinen Songs hast du aber wirklich auf alte Klassiker zurück gegriffen :D
Schau dich gern weiter um.
Viele Grüße
bke-Betty
Ich bin zwar spät dran, trotzdem denke ich, dass ich eine plausible Antwort darauf gefunden habe.
Ich habe etwas drüber nachgedacht und kam zum Schluss, dass es wahrscheinlich das Mitgefühl der Emotion hinter den Liedern ist. Ich habs schon oft an mir selbst bemerkt. Wenn ich traurig (bzw. hoffnungslos) bin mit der Welt, höre ich mir immer ,,California Dreamin” von The Mamas & The Papas an. Der Song selbst ist über ein Verlangen nach einem anderen Ort. Man fühlt sich ja auch besser wenn einer mit einem mit weint als alleine zu weinen. (Macht der Satz überhaupt Sinn?)
Achso was ich eigentlich euch noch mitteilen wollte, gibt mal “Firestarter” von The Prodigy eine Chance falls ihr 90er alternative Musik mögt.
PS: Geteiltes Leid ist halbes Leid 😉
LG
Das dürfte stimmen, lieber Kollege, liebe Kollegin, liebe Maya: Traurige Lieder helfen (!).
Wo mit Musik oder sogar auch von Musik gelebt wird (es gibt diese Menschen, mitten unter uns!): da werden Lieder und Musikstücke in traurigen Stimmungen und in wirklicher Trauer willkommene Begleiter sein.
Stimmt das Lied oder die Melodie für uns, dann passiert das: sie spenden Linderung und etwas Trost, wenn ein Verlust zu erleiden oder Einsamkeit auszuhalten ist. Sie wischen die Zustände nicht weg. Sie helfen, sie erträglicher zu machen. – Und es gibt solche Musik, weil auch Andere Verluste zu verkraften und Einsamkeiten zu ertragen haben – und weil Manche ihren Verlust und ihre Einsamkeit in Lieder und Musikstücke schütten und formen können: Kunst: auch eine Fähigkeit der emotionalen Regulation. Manchmal als Begleitung des sonst kaum Erträglichen.
Dabei gilt für mich: nichts ersetzt den Beistand eines mitfühlenden Menschen.
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„Sometimes I feel like a motherless child …“ -
Auch ich kenne Verlust und Einsamkeitszustände, kenne den „Blues“, mit dem Kollege bke – Stephan grüßt. Dabei habe ich keine Playlist – ich suche danach, wenn ich das brauche. So wird mir vieles entgehen.
Ich erinnere mich an das „Adagietto“ aus G. Mahlers 5. Sinfonie; an die große Passionsmusik J.S. Bachs. An Text und Melodie „Von guten Mächten…“. Vor kurzem lernte ich das Lied „Der Schnee draußen schmilzt“ kennen – und war ergriffen.
Die Liste würde wesentlich weiter wachsen, wenn ich länger nachdächte.
Danke für den Impuls, den das Thema gibt!
Manchmal vergessen wir einfach, dass es nicht so bedrückend stumm im Leben sein muss, wie es vielleicht gerade zu sein scheint.
bke - Christian
Hallo zusammen,
was für ein tolles Thema - holt mich ab :)
Ich kann bei all euren Gedanken, liebe Maya und lieber bke-Stephan mitgehen.
Ich handhabe es oft ähnlich wie Maya. Meine random-Alltags-Playlist ist bestückt mir Happy Songs und traurigen Liedern - einfach songs, die mir gefallen und mich unterschiedlich berühren. Dann kommt der unten erwähnte "Oma"-Song, mir kullern drei Minuten die Tränen, und danach kommt "Lieblingslied" von Mia Diekow und schwupp, ist mein Tränenkullern reguliert und ich kann erfreut mitsingen. Also kann ich mein Gefühl mit Musik sehr wohl auch steuern - und nutze das auch oft ganz bewusst. Ihr auch?
Wenn ich aber so richtig Kummer habe, dann möchte ich keine Happy-Songs, da will ich emotional abgeholt werden. Was bei mir passiert: ich fühle mich verstanden und somit verbunden. Ich denke: hey, schau mal, der/dem Künstler*in geht's genauso. Ich bin nicht allein. Und vielleicht hören auf der Welt gerade irgendwo auch andere Menschen diesen Song und sitzen in diesem Moment wie ich auf der Couch und weinen. So ganz nach dem Motto: geteiltes Leid ist halbes Leid. Klingt stumpf - aber mir hilft es.
Deswegen mag ich unser Musikforum auch so. Zu wissen, ich höre gerade eine Playlist und eine Maya oder ein bke-Stephan hören vielleicht genau in diesem Moment den gleichen Song - das rührt mich total an.
Und bei traurigen Songs baut mich eben genau das so auf - ich bin nicht allein.
Kennt ihr das auch?
Interessierte Grüße von der summenden bke-Betty
Ich hole mal den Themenmonat hoch, bevor der nach unten rutscht: Gibt es noch andere Menschen hier, die mit den geäußerten Gedanken und traurigen Liedern etwas anfangen können?
Viele Grüße,
bke-Stephan
Hi
ich hör auch gern traurige oder melancholische lieder wenn ich mich nicht gut fühl. Glaub was für mich dabei wichtig ist ist eben das Verständnis und abgeholt werden. Der Song möchte mich nicht dazu bringen mein Gefühl jetzt zu verändern sondern begleitet einfach das Gefühl was da ist. Das ist was was Menschen irgendwie oft nicht schaffen... einfach das Gefühl da sein zu lassen ohne einem den Eindruck zu geben dass es sich jetzt bitte zu verändern hat. Warum sollte man auch auf traurige songs verzichten und sich positive anhören wenn man traurig ist? Wenn ich happy bin oder gut drauf hör ich doch auch musik die dazu passt. Musik die das gefühl bestärkt... Warum soll es okay sein seine freude zu verstärken und das gefühl tiefer zu fühlen durch musik aber bei Traurigkeit soll mans bitte umgekehrt machen? Das würde für mich gar kein sinn machen. Das würde mir nur den eindruck geben dass es nicht okay ist so zu fühlen wie man eben fühlt... Außer das Gefühl ist gesellschaftlich als angenehm angesehen.
Mir gehts danach oft ein kleines bisschen besser... Nicht weil es besser werden musste sondern weils besser werden darf. Das ist für mich einfach ein großer Unterschied ob mein Körper oder was auch immer dann bereit dazu ist oder ob ich mich "gezwungen" fühl das jetzt ändern zu müssen.
Ich hab aber auch eine random playlist in der sich traurige Songs und gute Laune Songs mischen... das hilft mir persönlich auch oft. Ich hab dann zufallswiedergabe an und wenn sich dann traurige und hoffnungsvolle Songs random mischen fühlt sich das für mich auch gut an. Die hör ich aber eher wenn ich so bisschen schlecht drauf bin und nicht wenns mir richtig schlecht geht.
Was mir auch dabei hilft ist dass ich mich weniger allein fühl... Wenn mich ein Song oder eine melodie abholt weiß ich dass da ein Mensch ist der das gleiche gefühlt haben muss um das so in Worte oder Musik fassen zu können. Und mich weniger allein mit was fühlen hilft mir persönlich schon dass es sich dann ein wenig besser anfühlt.
LG
Maya
Liebes Forum,
heute möchte ich ein paar musikalische Gedanken zur Verfügung stellen und freue mich besonders auf Eure Antworten. Denn, wer schon eine Weile hier im Forum ist, weiß, dass Musik für mich etwas ganz Wichtiges ist. Meist frage ich mich nicht, warum das so ist, genieße sie einfach und freue mich.
Aber: Wieso helfen traurige Lieder, selbst wenn ich traurig bin? Eigentlich würde ich sagen: Wenn Du traurig bist, mache was, das Dich auf andere Gedanken bringt. Wühle Dich nicht in die Trauer rein, suche einen Weg raus aus der Trauer. Doch: Gemerkt habe ich: Traurige Musik macht natürlich nicht happy, es kann sogar sein, dass Tränen fließen (sogar bei so einem gereiften Mod). Aber ich werde auf einmal verstanden, die Trauer bekommt eine neue Qualität. Und irgendwie auch Hoffnung. Kennt Ihr das auch?
Ich nenne mal ein Beispiel von vor vielen Jahren: Liebeskummer, die Angebetete ist weit weg. Es gab eine Band namens „Dorfcombo“ und da war dann das Lied: „ 1000 Kilometer“. Warum half dieser Refrain (natürlich in Moll): „1000 km weit, von Dir entfernt, spür ich wie Dein Herz schlägt (…)“. Wieso hilft das, tröstet, obwohl es die Entfernung nicht verringert? Habt Ihr eine Idee, von den Wirkfaktoren?
Natürlich kann die KI (Ecosia AI) befragt werden. Die sagt: „Studien zeigen:
Traurige Musik aktiviert Teile des Gehirns, die mit Belohnung und Emotionsregulation zusammenhängen. Das kann Stress reduzieren und sogar Glücksgefühle auslösen.“
Boah, wie schnöde. So etwas will ich gar nicht wissen. Tatsächlich bin ich überzeugt, dass es viel mehr ist. Und eigentlich gar nicht erklärbar, Ihr auch?
Wenn es gerade zu viel Mist in der Welt und sogar in meiner Umgebung gibt, verhärtete Positionen, rechtsextremer Müll, selbst da können Songs helfen. Einen davon hat bke-Betty ja gerade in „unsere“ Playlist aufgenommen, „Oma“ von Marlo Grosshardt:
„Du bist jetzt auch schon, ne ganze Weile fort.
Doch ich wünsche mir, ein letztes Mal Dein weises Ohr.
Denn wir, wir wählen grade wieder Nazis in den Rat,
und sich zu wehren, das ist aktuell sehr hart.“
Natürlich auch in Moll, eine traurige Botschaft, eine traurige Melodie, fast alleine nur mit Gitarre, noch nicht mal virtuos gespielt, aber so passend, treffend und deshalb werde ich abgeholt. Das sind ja auch Prozesse, die in der Beratung helfen. Menschen verstehen, abholen, teilen. Das alleine kann schon viel bewirken, Veränderungswünsche auslösen. Wie ist das bei Euch so? Gibt es auch Songs, die Euch abholen? Helfen Euch traurige Songtexte, vielleicht sogar nur Melodien? Klassik Stücke? Rockballaden? Folksongs, …?
Mit einem Blues auf den Lippen grüßt
bke-Stephan